Das Handy hängt die ganze Nacht am Kabel – und morgens steht es bei 80 Prozent. Nicht bei 100, nicht bei 99, sondern konstant bei 80. Oder es lädt auf 85, auf 87, auf 92 – aber nie wieder ganz voll. Man kennt das Gefühl, das Gerät früher immer mit vollem Akku in den Tag gestartet zu haben, und fragt sich, was sich geändert hat.
Die Antwort ist in vielen Fällen überraschend: Das Handy macht das absichtlich.
Optimiertes Laden – die unsichtbare Begrenzung
Sowohl Apple als auch die meisten Android-Hersteller haben in den letzten Jahren Funktionen eingeführt, die das Laden auf 100 Prozent aktiv verzögern oder verhindern. Der Hintergrund ist akkutechnischer Natur: Lithium-Ionen-Akkus werden durch dauerhaftes Laden auf 100 Prozent schneller abgenutzt. Die Spannung im vollgeladenen Zustand belastet die Akkuzellen langfristig stärker als ein Ladezustand von 80 bis 90 Prozent.
Apple nennt die Funktion „Optimiertes Laden“ und aktiviert sie standardmäßig ab iOS 13. Das iPhone lernt den Alltag des Nutzers – wann er normalerweise aufsteht, wann er das Handy vom Kabel nimmt – und lädt bis zu diesem Zeitpunkt nur auf 80 Prozent auf. Den Rest holt es sich in den letzten Minuten vor dem üblichen Aufwachen.
Wer das nicht weiß, denkt, das Gerät lade nicht mehr vollständig.
Bei Android heißt die Funktion je nach Hersteller anders: „Adaptives Laden“ bei Pixel-Geräten, „Akkuschutz“ bei Samsung, ähnliche Varianten bei anderen Herstellern. Das Prinzip ist dasselbe.
Wo prüfen: iPhone → Einstellungen → Akku → Akkuzustand und Laden. Android → Einstellungen → Akku → je nach Gerät unter „Akkuschutz“ oder „Ladeoptimierung“.
Wenn die Einstellung ausgeschaltet ist und das Problem bleibt
Falls die Ladefunktionen geprüft und ggf. deaktiviert wurden, aber das Handy trotzdem nicht mehr auf 100 Prozent lädt, ist ein alternder Akku die wahrscheinlichste Ursache.
Ein Akku, dessen Kapazität auf 75 oder 70 Prozent des ursprünglichen Wertes gesunken ist, kann die angezeigte Ladeanzeige verzerren. Das Betriebssystem kalibriert den angezeigten Ladestand auf Basis des aktuellen Akkuzustands – aber diese Kalibrierung ist nicht immer perfekt. In manchen Fällen zeigt das Gerät 100 Prozent an, obwohl der Akku faktisch weniger Kapazität hat. In anderen Fällen stoppt die Anzeige früher, weil der Akku intern schon am Limit ist.
Hinzu kommt: Bei stark gealterten Akkus schützt die Ladeelektronik den Akku, indem sie den Ladevorgang früher beendet. Das Gerät lädt dann schlicht nicht mehr auf den vollen nominellen Stand auf.
Der Unterschied zwischen den beiden Szenarien
Woran erkennt man, ob es eine Einstellung oder ein Akkuproblem ist?
Wenn das Handy jeden Morgen exakt bei 80 Prozent steht und sich dieses Verhalten seit einem iOS- oder Android-Update eingestellt hat – Einstellung. Wenn der maximale Ladestand über die Monate langsam gesunken ist und das Gerät schon drei oder mehr Jahre alt ist – Akku.
Eine genaue Einschätzung des Akkuzustands liefert die integrierte Akkugesundheitsanzeige: beim iPhone direkt unter Einstellungen → Akku → Akkuzustand, bei Android-Geräten über spezifische Menüs oder mithilfe einer Akkudiagnose-App.
Was tun, wenn der Akku das Problem ist?
Ein Akkutausch ist in vielen Fällen die sauberste Lösung. Die Kosten dafür sind überschaubar und deutlich günstiger als ein neues Gerät – sofern das Handy ansonsten noch einwandfrei funktioniert. Mehr dazu im Artikel zu Handy reparieren oder nicht.
